Friedberger Landstraße mit Radspur

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02.09.20 | Infrastruktur

Neuer Roter Faden vom Main bis zum Friedberger Platz

Der neue Radweg auf der Friedberger Landstraße war sehr umstritten. Nachdem der Radentscheid Frankfurt 40.000 Stimmen für einen verstärkten Ausbau des Radverkehrs gesammelt hatte, fand sich in der Römerkoalition eine Mehrheit für die Realisierung des Radweges.

Frankfurt macht wieder einen Schritt nach vorne zur Fahrradstadt

Am Mittwoch, dem 2. September, wurden die neuen Fahrradwege in beiden Richtungen zwischen Friedberger Tor und Friedberger Warte offiziell eröffnet. Der neue Radweg gehörte zu den am meisten umstrittenen Radwegeplanungen der letzten Jahrzehnte. Kritiker hatten einen weitgehenden Zusammenbruch des Autoverkehrs an die Wand gemalt. Erst nachdem der Radentscheid Frankfurt 40.000 Stimmen für einen verstärkten Ausbau des Radverkehrs gesammelt hatte, fand sich in der Römerkoalition eine Mehrheit für die Realisierung des Radweges.

Klaus Oesterling

"Umso mehr freut mich, dass die neuen Radwege heute in Betrieb genommen werden", so der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. "Mit den beiden neuen Radwegen haben wir jetzt von der Alten Brücke im Süden bis zum Friedberger Platz einen durchgehenden, rot markierten Radweg auf 1,7 km Länge." Dafür wurden zwischen der Schönen Aussicht und dem Friedberger Platz dem Autoverkehr zwei der früher vier Spuren entzogen. "Damit tragen wir dem veränderten Verkehrsverhalten Rechnung", so Oesterling. "Der Radverkehr hat in den letzten Jahren stark zugenommen und hat deshalb ein Recht auf mehr Platz. Da der Stadtraum insbesondere auf den Straßen im Gründerzeitgürtel wie der Friedberger begrenzt ist, geht das nur zu Lasten des Autoverkehrs."

Tross auf der Friedberger

Mit der jetzt neu auf 1,7 Kilometern Länge markierten Strecke sei aber noch nicht Schluss, so Oesterling. Endziel seien durchgehende beidseitige Radwege von der Sachsenhäuser Warte im Süden bis zur Friedberger Warte im Norden mit jeweiligen Anschlüssen ins Umland. Als nächsten Baustein nannte Oesterling den Abschnitt zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz. Da hier der Straßenquerschnitt besonders eng sei, bedürfe es für die Weiterführung des Radweges noch gesonderter Überlegungen.

Zur Umsetzung sagte Oesterling, er freue sich, dass Straßenverkehrsamt und Amt für Straßenbau und Erschließung trotz der schwierigen Corona-Zeit die Maßnahme so schnell realisiert hätten. Was auf den ersten Blick nur nach roter Farbe auf dem schwarzen Asphalt aussieht, "ist planerische Feinarbeit. Fahrbahnbreiten, Kreuzungen, Ampelanlagen, Bus- und Straßenbahnhaltestellen – dies alles will berücksichtigt werden", beschreibt Petra Lau, die Leiterin des Straßenverkehrsamtes. Dementsprechend sind vor dem Aufbringen der roten Farbe, die in Wirklichkeit eine Reibe-Kaltplastik ist, genau bemaßte Pläne zu erstellen.

Ausgestattet mit den Plänen machte sich dann das Amt für Straßenbau und Erschließung an die Arbeit. "Zuerst mussten alte Markierungen entfernt werden und anschließend das aus zwei Komponenten bestehende Material in Reibetechnik auf die Straße aufgebracht werden. Dabei ist Handarbeit gefragt, da das Material bisher nicht von Maschinen aufgebracht werden kann", erläutert der stellvertretende Leiter des ASE, Ulrich Rendel.

Börneplatz

Am Ludwig Börne-Platz stellte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling die Maßnahmen vor Journalisten und Vertretern von Radentscheid, ADFC und einigen am Projekt beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Stadtverwaltung vor. Vor der praktischen Befahrung der neuen Radwege war Zeit für einige Wortbeiträge, in denen es auch um die beabsichtigte Fortsetzung der Route in nördlicher Richtung ging. Hierbei zeigte sich Verkehrsdezernent Oesterling skeptisch, die Radfahrenden über Nebenstraßen wie die Rotlintstraße zu führen: "Die Radfahrer haben auch das Recht, Platz auf Hauptverkehrsstraßen zu bekommen und auf dem kürzesten Weg unterwegs sein zu können."

Wolfgang Siefert

Wolfgang Siefert, Vorsitzender des Frankfurter Verkehrsausschusses, lobte die entstandene Verbindung, zeigte sich bezüglich der Radverkehrsführung über die Rotlintstraße etwas aufgeschlossener. Eine solche Route könne zumindest einmal geprüft werden, sagte Siefert.

Heiko Nickel

Heiko Nickel vom Radentscheid Frankfurt erinnerte daran, dass die traditionelle Wegeverbindung zwischen Main und Friedberger Platz früher vor allem von Fußgängern und Ochsenkarren  genutzt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg sei daraus eine reine Autostraße entstanden. Die neuen Radspuren bedeuten daher eine regelrechte Heilung dieses Missstands, sagte Nickel. Für den nördlichen Anschluss empfahl er eine vom Radentscheid entwickelte Variante durch die Friedberger Landstraße, bei der "Senkrecht"-Parkplätze für Pkw zu Längsparkplätzen umgestaltet werden müssten.

Bertram Giebeler

Eine solche Lösung, die den Wegfall von 35-40 Parkplätzen bedeuten würde, hält auch Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt, für vernünftig. Das inzwischen entstandene plakative rote Band quer durch die Stadt  zeige nicht nur den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, dass sie als Radfahrende hier willkommen sind, auch der einpendelnde Autoverkehr erkennt, dass sich in Frankfurt etwas ändere – und dass er den Radverkehr zu respektieren hat.